Sanktjohanser: Wahre Nachfragemacht liegt beim Kunden
21. April 2010"Für den Lebensmitteleinzelhandel sind die Produkte der leistungsstarken heimischen Erzeuger wichtig", sagte heute in Berlin Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE). "Um leistungsstark zu bleiben, muss die Erzeugerseite in ihre Wettbewerbsfähig investieren." Dies sehe der Einzelhandel ähnlich wie Bundesministerin Ilse Aigner (Lebensmittel Zeitung, 16. April 2010). Wegen der starken Nachfrage der Verbraucher habe der Lebensmitteleinzelhandel ein großes Interesse daran, den Absatz deutscher Produkte zu stärken, so der Handelspräsident. So würden zum Beispiel Molkereiprodukte, Obst, Gemüse und Fleisch überwiegend aus heimischer Produktion stammen. Außerdem würden deutsche Einzelhändler im Ausland viele deutsche Produkte verkaufen und damit dazu beitragen, die Exportchancen deutscher Erzeuger und Hersteller zu verbessern. Alle Waren würden sich nur mit marktgerechten Preisen an die Verbraucher bringen lassen, merkte der Handelspräsident an: "Der Markt macht den Preis. Von einer generellen Nachfragemacht des Handels zulasten der Erzeuger und Produzenten kann keine Rede sein." Natürlich sorge der intensive Wettbewerb im Einzelhandel für eine moderate Entwicklung der Lebensmittelpreise. Aber Nahrungsmittel würden keinesfalls immer preiswerter. Die Preise für Lebensmittel seien in den vergangenen Jahren wegen der Entwicklungen an den Rohstoff- und Beschaffungsmärkten und bei den Energiepreisen deutlichen Schwankungen unterlegen. 2007 hätten die Lebensmittelpreise um 3,8 Prozent angezogen, 2008 um sechs Prozent. 2009 und in den ersten beiden Monaten 2010 seien sie um 1,2 Prozent im Vergleich zu 2008 zurückgegangen. Im langjährigen Trend seien Lebensmittel also teurer geworden.
"Nachfragemacht hat nur einer: der Verbraucher“, stellte Sanktjohanser klar. „Die Konsumenten entscheiden über Produkte und Preise." Das habe auch eine Studie des Instituts für Handelsforschung, Köln, ergeben. Diese habe die Anteile der größten Handelsunternehmen an der Inlandsmarktverfügbarkeit von 22 der wichtigsten Produktgruppen, darunter Molkereiprodukte, Obst und Gemüse sowie Fleisch, Wurst, Geflügel, denen der größten Hersteller gegenüber gestellt. Die Studie habe gezeigt, dass das Verhältnis zwischen Handel und Hersteller ausgewogen sei. Ein weiteres Ergebnis sei der von den Verbrauchern ausgeübte starke Druck auf den Handel, das Angebot entsprechend ihren Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.


