Hochleistungsbranche Handel fordert Reformen
17. November 2010Als Hochleistungsbranche bezeichnet heute HDE-Präsident Josef Sanktjohanser den Einzelhandel während der Veranstaltung ‚Handel und Politik im Dialog’, dem Höhepunkt des Deutschen Handelskongresses. Gastredner sind Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sowie Renate Künast, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, und Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Sanktjohanser kritisiert, dass der Einzelhandel als drittgrößter Wirtschaftszweig mit 400 Milliarden Euro Jahresumsatz, drei Millionen Beschäftigten und einem Anteil von fast 17 Prozent am Brutto-Inlandsprodukt von der Politik benachteiligt werde: „Allein bedingt durch die Erhöhungen aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz und die volle Belastung aus der Ökosteuer erhöhen sich im nächsten Jahr die Belastungen für den Handel um deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro. Energieintensive Industrieunternehmen erhalten einen Nachlass auf die Ökosteuer, der dem ebenfalls energieintensiven Handel verwehrt bleibt. So fördert man keine Binnenkonjunktur.“
Ebenso enttäuschend sei das Scheitern der Gewerbesteuerreform, so der HDE-Präsident. „Nun will die Bundesregierung aus mangelnder Konfliktbereitschaft dieses äußerst wichtige steuerstrukturpolitische Zukunftsthema stoppen. Selbst Unternehmen, die nicht in der Gewinnzone operieren, werden für die öffentlichen Haushalte zur Kasse gebeten. Wir sind sehr enttäuscht und fordern die Bundesregierung auf, die Gewerbesteuerreform wieder in Angriff zu nehmen. Den Kommunen halten wir vor, gerade den Wirtschaftszweig Handel unbeirrt weiter überproportional zur Kasse zu bitten, ohne zu erkennen, dass er der Treiber für die Qualität der Innenstädte und integrierte Handelsstandorte in Wohngebieten ist.“
Mit Blick auf den im Einzelhandel nur allmählichen Aufschwung sagt Sanktjohanser weiter: „Weit wichtiger als Brutto-Lohnzuwächse ist uns die Zukunftsfähigkeit unserer Tarifverträge. Wir wollen die Leistungen unserer Mitarbeiter honorieren und durch ein einfaches, nachvollziehbares Entgeltsystem die Tarifbindung im Handel weiter ausbauen. Unser erklärtes Ziel ist, dass wir in den modernisierten Tarifverträgen auch ein tarifliches Basisentgelt, das für alle Unternehmen gleichermaßen verbindlich ist, festlegen wollen. Der Gesetzgeber kann sich daher beruhigt aus der Lohnfindung im Einzelhandel heraushalten.“
Der HDE-Präsident kritisiert auch die vorherrschende negative Sicht auf Teilzeit-Jobs: „Teilzeit im Einzelhandel ist eine vollwertige Beschäftigungsform mit allem was dazu gehört: Tariflohn, Zuschläge für die Arbeit nachts und an Sonntagen, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Lohnfortzahlung bei Krankheit. Weil unsere Kunden einkaufen möchten, wann sie wollen, ist der Handel auf seine in Teilzeit arbeitenden Mitarbeiter angewiesen.“ Und die Lebensentwürfe vieler Mitarbeiter würden die große Flexibilität, die Teilzeitarbeit biete, verlangen.
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