Einleitung
Der ökologische Fußabdruck des Einzelhandels
Der Einzelhandel als drittgrößte Branche der deutschen Wirtschaft versorgt 80 Millionen Menschen in Deutschland und insgesamt knapp 500 Millionen Menschen in ganz Europa mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern. Er nimmt seine Verantwortung in Sachen Umweltschutz wahr und arbeitet fortwährend daran, den ökologischen Fußabdruck (4) zu verkleinern. Dieser Herausforderung stellen sich die Unternehmen der größten Dienstleistungsbranche seit Jahren immer entschiedener. Dabei hat der Handel besonders folgende umweltrelevante Aktivitäten im Fokus:
Ressourcenverbrauch der Standorte
Der Handel zählt nicht zu den energieintensiven Branchen. Dennoch summieren sich Energieverbrauch und weitere Umweltauswirkungen von über 400.000 Ladengeschäften in Deutschland auf ein beträchtliches Maß. Weite Teile des Handels arbeiten daher intensiv an Energieeinsparungen bei der Gebäudegestaltung und Ausstattung (v. a. Licht, Heizung, Klimaanlagen) und der Begrenzung des Wasserverbrauchs. Bei der Optimierung der Kühlung im Lebensmittelhandel stellen sich insbesondere zwei Herausforderungen: Die Kühlung ist der größte Energieposten, den es weiterhin zu reduzieren gilt. Darüber hinaus geht es darum, den Einsatz klimafreundlicher Gase kontinuierlich voranzutreiben. Das Abfallmanagement deutscher Handelsunternehmen ist – auch aufgrund besonders strenger gesetzlicher Vorgaben – besonders effizient.
Verkehr und Beschaffung
Die Kernaufgabe des Handels ist es, die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort für die Kunden bereitzuhalten. Die Grundversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Produkten ist eine Selbstverständlichkeit für den Handel und zugleich eine logistische Meisterleistung. Rund 400.000 selbstständige Unternehmen des deutschen Einzelhandels beliefern ihre Verkaufsstellen an einem regulären Wochentag mit Waren im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro. Beschaffung und Transportlogistik stellen daher einen der größten Kostenblöcke der Einzelhandelsunternehmen dar. Hinzu kommt die Beschaffung von Waren, die nicht zum Weiterverkauf bestimmt sind, wie beispielsweise das Papier für Kundenzeitungen.
Insgesamt besteht ein starkes Eigeninteresse an ständiger Effizienzsteigerung. Dadurch wird eine große
Vielfalt beeindruckender Initiativen befeuert, die einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Produkte und Kaufentscheidungen
Jeder Deutsche verbraucht im Durchschnitt Ressourcen, die einem globalen Fußabdruck von 4,2 Hektar
entsprechen. Damit leben wir über unsere Verhältnisse, denn die Erde bietet jedem der rund 6,9 Milliarden Menschen nur knapp 2,1 Hektar.
Bei weiter wachsender Bevölkerung und dem – nicht zuletzt dank der immer intensiveren Handelsbeziehungen – in vielen Teilen der Welt stark zunehmenden Wohlstand führt kein Weg daran vorbei: Auch die Verbraucher müssen ihren Beitrag zu einem effizienteren Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen leisten. Aus Verbrauchersicht liegt das größte Potenzial zur Effizienzsteigerung in den drei Bereichen Lebensmittel, Energieverbrauch im Haushalt und Verkehr.
Der Handel bietet schon heute flächendeckend ein großes und stetig wachsendes Sortiment besonders
umweltfreundlicher und fair gehandelter Produkte an. Damit gibt der Handel dem Verbraucher die Möglichkeit, durch bewusste Kaufentscheidungen seinen individuellen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.
(4) Jeder Mensch und jedes Unternehmen hinterlässt durch sein Handeln Spuren in der Umwelt – einen ökologischen Fußabdruck. So verursachen auch die Aktivitäten des deutschen Handels in seiner Funktion als Versorger von Lebensmitteln und Konsumgütern Auswirkungen auf die Umwelt.
Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
Bedeutung der Umweltpolitik für die Branche
Umwelt- und Klimapolitik haben sich in den letzten Jahren zu zentralen Politikfeldern entwickelt und ihren
Schwerpunkt auf die europäische Ebene verlagert. Trotz des gescheiterten Klimagipfels in Kopenhagen hat
sich die EU beispielsweise zum Ziel gesetzt, die CO2- Emissionen bis 2020 im Vergleich zum Jahr 1990 um
20 Prozent zu reduzieren. Strenge gesetzliche Umweltauflagen bestimmen schon seit vielen Jahren den Alltag des deutschen Einzelhandels. In Deutschland gehen die Bestimmungen zur Energieeffizienz von Gebäuden und zum Abfallrecht sogar deutlich über die in den einschlägigen EU-Richtlinien festgelegten Mindeststandards hinaus.
Handel als Hilfssheriff?
Es ist deutlich eine neue umweltpolitische Dynamik festzustellen, die im Rahmen eines ganzheitlicheren
Ansatzes versucht, das gesamte Wirtschaftssystem nachhaltig umzugestalten. Dabei wird dem Einzelhandel
auch in der politischen Wahrnehmung oft eine besondere Rolle zugeschrieben. Mehr und mehr setzt die
Politik auf den Einzelhandel, der zur „Überwachung“ seiner Zulieferer und Lenkung des Verbraucherverhaltens angehalten wird. Aber: Ist es gerecht und zielführend, den Handel durch Gesetzesänderungen zum Hilfssheriff zu machen? Die Antwort lautet: Nein. Denn nur gemeinsames Handeln schafft effektive Lösungen.
Geteilte Verantwortlichkeiten erfordern Partnerschaften
Charakteristisch für den Handel ist die partnerschaftliche Wahrnehmung von Verantwortlichkeiten. Direkt
und allein können Handelsunternehmen vor allem ihre eigenen Prozesse und Standorte kontrollieren – zumindest dann, wenn sie Eigentümer der Standorte sind. An der Umweltverträglichkeit der Gütertransporte wird hingegen gemeinsam mit den meist externen Transportdienstleistern gearbeitet – oft auch unter Einbeziehung der Zulieferer. Das Sortiment der meisten Handelsunternehmen besteht überwiegend aus Markenprodukten der Zulieferer. Das Angebot orientiert sich an der Nachfrage der Verbraucher. Deshalb sind zur Förderung des nachhaltigen Konsums ganzheitliche Ansätze nötig, die unter Einbeziehung von Herstellern, Verbrauchern und weiteren Stakeholdern entwickelt werden.
Ein gutes Beispiel für einen solchen Ansatz ist das europäische Einzelhandelsforum für Nachhaltigkeit, das
Handel und EU-Kommission seit dem Frühjahr 2009 gemeinsam betreiben. Ziele sind die Reduzierung der
Umweltauswirkungen des Handels und die Förderung des nachhaltigen Konsums. Dabei bringen sich auch die wichtigsten Stakeholder wie Wirtschaft, Verbraucherorganisationen und Umweltverbände ein.


